Carl Schmitt und die Wiederkehr des Denkens in Feindräumen

Wer wissen will, was einen Dugin, Putin, Thiel, Vance, Trump (wobei der eher dummer Handlanger oder frei nach KGB-Sprech ’nützlicher Idiot‘ ist) etc. bis hin zu fundamentalistischen Christen oder auch so Typen wie einen Kardinal Müller antreibt, wer die Hintergründe des augenblicklichen Weltgeschehens verstehen will, der sollte Carl Schmitt lesen. All die sehen eine Regierung, eine Welt auf der Basis gleicher Menschenrechte und diskursiver Entscheidungspraxis als Bedrohung dessen, was sie sich als göttliche Ordnung vorstellen. Als den Antichrist. Deshalb sind Demokratie bis Regenbogenflagge und Gendern ihr absolutes Feindbild. Die Front verläuft nicht zwischen „Links“ und „Rechts“, sondern zwischen liberal und illiberal. Und auf beiden Seiten dieser Front stehen sowohl „Linke“ wie „Rechte“. Siehe BSW und AfD hierzulande.

In „Die Zeit“ gibt es zwei sehr gute Artikel zu Carl Schmitt. Ich verlinke sie am Ende.

Kaum ein politischer Denker des 20. Jahrhunderts ist so umstritten – und zugleich so erstaunlich präsent – wie Carl Schmitt. Die beiden ZEIT-Artikel, die auf den ersten Blick unterschiedliche Aspekte seines Werks beleuchten, greifen in Wahrheit ineinander: Sie zeigen, wie aus einer geopolitischen Theorie der Ordnung ein geistiges Instrumentarium wurde, das bis heute autoritäre Weltbilder, Verschwörungsideologien und kulturkämpferisches Denken speist.

Der Traum von der Großraumordnung

Der erste Artikel rückt Carl Schmitts Konzept der Großraumordnung in den Mittelpunkt.

Entstanden am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, war diese Theorie ein Gegenentwurf zur liberalen, universalistischen Weltordnung, wie sie nach dem Ersten Weltkrieg propagiert wurde. Schmitt lehnte ein für alle gleich geltendes Völkerrecht ab. Stattdessen plädierte er für eine Welt, die in klar abgegrenzte Macht- und Einflusszonen gegliedert ist – sogenannte „Großräume“, die jeweils von einer dominanten Ordnungsmacht bestimmt werden.

Dieses Denken war keineswegs abstrakt. Es war tief verankert in der Machtpolitik des nationalsozialistischen Deutschlands und diente als juristische Legitimation imperialer Expansion. Dennoch – und das macht den Artikel so beunruhigend aktuell – kehrt Schmitts Großraumdenken heute in neuer Gestalt zurück. Begriffe wie Multipolarität, „souveräne Zivilisationen“ oder „Einflusssphären“ dominieren gegenwärtige geopolitische Debatten. Ob in russischen Strategiepapieren, chinesischen Ordnungsvorstellungen oder westlichen Rückzugsdiskursen: Die Idee, dass universelle Normen eine Illusion seien und Macht wieder räumlich organisiert werden müsse, erlebt eine Renaissance.

Der Artikel macht deutlich: Schmitts Theorie ist kein historisches Kuriosum. Sie liefert bis heute Denkfiguren, mit denen globale Konflikte erklärt – und gerechtfertigt – werden.

Freund, Feind und die metaphysische Aufladung der Politik

Der zweite Artikel schlägt einen dunkleren Ton an. Er zeigt Carl Schmitt nicht nur als Juristen und Geopolitiker, sondern als ideologischen Grenzgänger, dessen Denken zunehmend religiös, apokalyptisch und verschwörungsoffen wurde. Zentral ist dabei Schmitts berühmte Definition des Politischen als Unterscheidung von Freund und Feind. Diese Formel ist radikal, weil sie politische Gegnerschaft nicht als Meinungsstreit, sondern als existenzielle Bedrohung versteht.

Was der Artikel eindrücklich herausarbeitet: Diese Feindbestimmung war bei Schmitt nie nur politisch, sondern oft metaphysisch. Liberalismus, Parlamentarismus und Menschenrechte erschienen ihm nicht bloß als falsche Ideen, sondern als Ausdruck einer tieferen, dämonischen Entfremdung von Ordnung und Autorität. In seinen späteren Schriften mischt sich katholische Endzeitvorstellung mit politischer Theorie – der „Antichrist“ wird zum Symbol einer säkularen, globalisierten Moderne.

Hier liegt der Übergang zur Gegenwart

Schmitts Denken bietet eine Blaupause dafür, wie politische Konflikte in Verschwörungserzählungen überführt werden können:

  • Die Welt ist geteilt in Gute und Böse.
  • Hinter liberalen Institutionen wirken geheime Mächte.
  • Universalismus ist Tarnung für Herrschaft.

Kein Zufall also, dass Schmitt heute von rechten Ideologen, Kulturkämpfern und autoritären Theoretikern wiederentdeckt wird – von europäischen Neuen Rechten bis zu russischen Denkern wie Alexander Dugin.

Zwei Seiten derselben Medaille

Erst im Zusammenspiel entfalten die beiden Artikel ihre volle Aussagekraft. Die Großraumtheorie erklärt die räumliche Ordnung der Macht, die Freund-Feind-Logik liefert die moralische und emotionale Zuspitzung. Zusammen bilden sie ein Weltbild, das auf Abgrenzung, Hierarchie und Feindidentifikation basiert – und das erstaunlich anschlussfähig an heutige Krisenerzählungen ist.

Carl Schmitt erscheint so weniger als bloßer Theoretiker seiner Zeit, sondern als Vordenker einer Politik der Polarisierung, die in Momenten der Unsicherheit immer wieder attraktiv wird. Seine Ideen zeigen, wie schnell politische Theorie zur ideologischen Waffe werden kann – besonders dann, wenn sie einfache Antworten auf komplexe globale Verhältnisse verspricht.

Warum Schmitt uns heute noch betrifft

Die beiden Artikel sind letztlich eine Warnung. Sie erinnern daran, dass intellektuelle Konzepte ein langes Nachleben haben können – unabhängig von den historischen Umständen, in denen sie entstanden sind. Carl Schmitts Denken lebt fort, nicht trotz, sondern wegen seiner Radikalität.

Wer über Weltordnung, Souveränität oder Kulturkonflikte spricht, bewegt sich oft näher an Schmitts Denkfiguren, als ihm lieb ist. Gerade deshalb lohnt die kritische Auseinandersetzung: nicht um Schmitt zu rehabilitieren, sondern um zu verstehen, warum seine Ideen immer wieder zurückkehren – und welche Gefahren in ihnen liegen.


Quellen:

Die Zeit: Carl Schmitt und seine Theorie des Großraums

Die Zeit: Carl Schmitt: Angst vorm Antichristen

Titelbild: ChatGPT

Nordlichter – Wenn der Himmel Geschichten erzählt

Schon wieder ein neues Jahr 😉 Ich wünsche euch allen nur das Beste für 2026!

Hier oben im hohen Norden wird zum Glück nicht „geballert“. Zumindest sehr selten. Dafür hat der Himmel gerade jetzt im Winter viel zu bieten: Nordlichter!

Es ist schon etwas Tolles, wenn man diese sogar vom Sessel im Wohnzimmer beobachten kann! Ein wunderschön mystisches Gefühl. Deshalb möchte ich euch ein bisschen über die Mystik der Nordlichter erzählen.

Es gibt kaum ein Naturphänomen, das die Menschen seit Jahrhunderten so sehr verzaubert wie die Nordlichter. Wenn grüne, violette oder rote Schleier lautlos über den Nachthimmel tanzen, scheint es, als öffne sich für einen Moment eine andere Welt. Lange bevor die Wissenschaft erklärte, wie dieses Licht entsteht, suchten die Menschen nach Sinn – und fanden ihn in Mythen, Legenden und Göttergeschichten.

Die tanzenden Geister des Nordens

Für viele indigene Völker des Nordens waren die Nordlichter lebendige Wesen. Die Samen in Lappland glaubten, dass es sich um die Seelen der Verstorbenen handelte. Aus Ehrfurcht vermied man es, unter den Lichtern zu pfeifen oder laut zu sprechen, denn man fürchtete, sie könnten herabsteigen und die Menschen holen. Die Aurora war hier weniger ein Schauspiel als eine Erinnerung daran, dass die Welt der Lebenden und die der Geister eng miteinander verbunden sind.

Götterfeuer und Himmelsbrücken

In der nordischen Mythologie galten die Nordlichter oft als Spiegel göttlicher Macht. Manche sahen in ihnen das Leuchten von Bifröst, der Regenbogenbrücke, die Midgard mit Asgard verband. Andere glaubten, es sei das Licht der Walküren, deren Rüstungen im Himmel glänzten, während sie gefallene Krieger nach Walhall führten. Die Lichter wurden so zum Zeichen von Mut, Tod und ewiger Ehre.

Botschaften aus der Geisterwelt

Auch in Nordamerika erzählten sich die Inuit eigene Geschichten. Für sie waren die Nordlichter häufig die Seelen von Tieren oder Ahnen, die am Himmel spielten, tanzten oder sogar mit einem Totenschädel Fußball spielten. Diese Vorstellung verlieh dem Himmel etwas Verspieltes – aber auch Respektvolles, denn die Geister beobachteten stets das Leben der Menschen.

Vorzeichen, Warnung oder Segen?

In anderen Kulturen wurden Nordlichter mit gemischten Gefühlen betrachtet. In Teilen Sibiriens galten sie als Omen für kommende Ereignisse, manchmal als Warnung vor Krieg oder Krankheit, manchmal als Zeichen besonderer Zeiten. In Finnland erzählte man sich hingegen die Legende vom „Revontulet“, dem Fuchsfeuer: Ein magischer Fuchs soll mit seinem Schwanz Funken in den Himmel geschlagen haben, aus denen das Nordlicht entstand.

Wissenschaft trifft Staunen

Heute wissen wir, dass Nordlichter entstehen, wenn geladene Teilchen der Sonne auf die Erdatmosphäre treffen. Doch selbst mit dieser Erklärung verlieren sie nichts von ihrer Magie. Vielleicht, weil sie uns daran erinnern, dass der Mensch seit jeher versucht, das Unfassbare zu verstehen – zuerst mit Geschichten, später mit Formeln.

Ein Himmel voller Erinnerungen

Nordlichter sind mehr als ein Naturphänomen. Sie sind ein kulturelles Gedächtnis, gespeist aus Hoffnung, Furcht, Ehrfurcht und Fantasie. Wenn sie am Himmel erscheinen, verbinden sie Vergangenheit und Gegenwart – und erzählen uns leise von all den Menschen, die vor uns nach oben geschaut und sich gefragt haben, welche Geheimnisse dort oben verborgen liegen.

62° Nord

Mein Lieblingsplatz gleich um die Ecke 🙂

Nun hat es doch noch etwas gedauert, bis es hier weiter geht. Aber nun …

Vor gut sechs Jahren kam ich morgens vom Nachtdienst nach Hause und fand meinen Mann tot vor. Mein Lieblingsmensch war gegangen. Unsere Pläne, unsere gemeinsame Zukunft: Weg. Vorbei.

Es folgte erstmal ein weiter so wie immer. Doch mein Gesundheitszustand verschlechterte sich drastisch. Arbeitsunfähigkeit, Ärztetournee, Reha. Medikamente und noch mehr Medikamente. Doch es wurde schlechter statt besser.

Weiter so? Oder vorzeitig in Rente, weniger Geld, aber mehr Freiheit?

Die Entscheidung fiel mir nicht mehr schwer. Wenn mir eins durch Wolfs Tod mehr als bewusst geworden war, dann, wenn du etwas möchtest, dann tue es jetzt. Du weißt nie, ob es ein Morgen geben wird.

Hej Schweden!

Also jetzt oder nie! Traum wahr machen! In Deutschland alles verkaufen, nur das Nötigste einpacken und Richtung Norden.

Da bin ich nun. 62° Nord. Dort, wo es im Sommer nicht wirklich dunkel wird. Und im Winter die Nächte – dank Schnee – erstaunlich hell sind. Schnee! Mein geliebter Schnee. Hier gibt es genug 😉

Dort, wo das Nordlicht durchs Wohnzimmerfenster scheint.

Hier kommt im Winter das Rotwild auf die Veranda. Hier bahnst du dir im Winter den Weg zum Einkaufen durch Rentiere und musst brav warten, bis der Elch die Straße frei macht. Und wenn du genau hinschaust, siehst du zwischen den Bäumen einen Bären.

Hier hat jeder seinen eigenen See. Oder zwei. Oder drei 😉 Hier kommen nicht mal 2 Menschen auf den Quadratkilometer. Man kann sich also prima aus dem Weg gehen 😉

Meine Welt. Es war schon immer meine Welt. Aber jetzt endlich lebe ich hier.

Nun lebe ich MEIN Leben. Morgens beim Kaffee auf der Veranda überlegen, was man denn nun so mit dem Tag anstellen möchte. Fauler Tag zuhause? Lesen? Rumfahren und neue Wege entdecken? Neue Orte? Am See sitzen und angeln? Möglichkeiten über Möglichkeiten.

Aber ich lebe nicht allein hier. Ich habe eine treue Freundin dabei! Smilla, meine Dackeline 🙂 Sie teilt mit mir …

Mein Paradies

Ja, ich bin lange nicht so fit, wie ich es gern wäre. Aber, hey, für alles gibt es Workarounds.

Ich glaube, es war Willy Meurer, der so treffend bemerkte: „Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe.“

Ich bin glücklich. Frei.

Und was erwartet euch hier nun zukünftig?
Wozu ich auch immer Lust habe. Bilder von kleinen Trips in die Umgebung. Oder auch mal ein politischer Rant. Was eben so anfällt.
Wir leben ja in interessanten Zeiten. War „mögest du in interessanten Zeiten leben“ nicht ein chinesischer Fluch?

Egal. Gucken wir mal.

Es geht weiter!

Neues Jahr, neues Glück! Vier lange Jahre war hier nun tote Hose. Es ist viel passiert, mein Leben hat sich praktisch völlig verändert. Irgendwie fehlte mir zum einen die Zeit, zum anderen aber auch die Motivation, hier weiter zu machen. Das hat sich aber – warum auch immer 😉 – mit dem Jahreswechsel geändert. 2025. Was für eine Zahl. Ich habe das Gefühl, es wird nicht nur ein spannendes Jahr, es wird ein besonderes Jahr. Im Positiven wie Negativen. Gucken wir mal.

Für heute und jetzt erst mal die Nachricht: Es geht weiter!

Was alles so in den letzten vier Jahren passiert ist, dazu später.

Hockertz und die Spikes

Bild von Ali Raza auf Pixabay

Man könnte die aktuelle Panikmache, die sich durch die „alternativen“ Telegramkanäle & Co frisst, kurz so zusammenfassen: Das Spike-Protein löst Endothelzellschäden aus, die Impfung veranlasst den Körper dies Spike-Protein zu produzieren, ergo löst die Impfung auch Endothelzellschäden aus.

Ist das nun wirklich so?

„Hockertz und die Spikes“ weiterlesen